4. Treffen (Experiment) - 24. 9. bis 29. 9. 2012

  • Leitung: Prof. Barbara Beyer
  • Assistenz und künstlerische Mitarbeit: Roman Lemberg
  • Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Susanne Kogler

 

Teams

I

  • Clara Hinterberger (Regie)
  • Anika Söhnholz (Ausstattung)
  • Anna Kropfelder (Komposition)
  • Siavosch Banishashemi (Sound-Design)

II

  • Roman Lemberg (Regie)
  • Martin Miotk (Ausstattung)

III

  • Johannes Rieder (Regie)
  • Christoph Ernst (Ausstattung)

 

Beteiligte

I

  • Beomseok Yi (Korrepetition)
  • Nika Goric (Despina)
  • Gabrijela Nedok (Fiordiligi)
  • Valentyna Halushko (Dorabella)
  • Hyung Jun Kim (Guglielmo)
  • Slaven Abazovic (Don Alfonso)


II

  • Soyoun Kim (Korrepetition)
  • Tatjana Miyus / Opernstudio, Oper Graz (Fiordiligi)
  • Xiaoyi Xu / Opernstudio, Oper Graz (Dorabella)
  • Grga Peros (Guglielmo)
  • Sabine Recar / TU Graz (Performance)
  • Hanae Kato (Hammerklavier)


III

  • Sooyeon You (Korrepetition)
  • Margarita Misihaev (Fiordiligi)
  • Antonija Fabijanovic (Dorabella)
  • Severin Prassl (Don Alfonso)
  • Zudem: Peixin Lee (ab 27.9)

 

Gäste

  • Prof Carl Hegemann
  • Prof. Cornel Franz (Leiter des Studiengangs Regie an der Bayerischen Theaterakademie München)
  • Isabelle Kranabetter (Dramaturgin, München)

 

24. 9. Treffen der Regieteams mit Michael Hofstetter (Musik. Leitung der Produktionen von “Così fan tutte” in Graz)
Konzeption der musikalischen Gestaltung

25. 9. - 27. 9.
Proben und interne Diskussion der Zwischenstände der Arbeiten


28. 9.
Interne Präsentationen der Ergebnisse
zu Gast: Prof. Carl Hegemann, Prof. Cornel Franz


29. 9.
Gespräch: Konzept-Ideen zu"Così fan tutte" Vortrag von Isabelle Kranabetter zum Thema “Musiktheater vs. musikalisches Theater in der Konzeption von David Roesner

 

 

 

Im zweiten dem Experiment gewidmeten Treffen versuchen die Teams, die Ansätze des ersten Treffens weiter auszuloten und neue Aspekte in ihre Arbeit einzubeziehen. Die näher rückende Inszenierung von „Così fan tutte“ gibt nun das Material vor und die Experimente richten sich schon auf sie aus.

 

Team I

Schichtung

Diese Arbeit experimentiert mit der  Überlagerung der Ebene des Originals durch vielfältige musikalische und szenische Ebenen. Weiterschreibungen und elektronische Verfremdungen der Musik werden eingesetzt.

Auf der Bühne treten zu Fragmenten einer „werktreuen“ Inszenierung weitere szenische Ebenen. Hier wird wieder auf den Einsatz privater Geschichten, wie sie im ersten Treffen Thema waren, zurückgegriffen.  Außerdem werden Live-Videos  eingesetzt, die Bilder aus Graz (in der Planung sind auch Aufnahmen aus Neapel, vom „Ort der Handlung“, anvisiert) mit den übrigen Ereignissen konfrontieren.

Hier werden vielfältige Ereignisse gemischt und zusammengebracht.

 

Team II

Nähe / Entfernung

Im Zentrum steht die schon im ersten Experiment aufgeworfene Frage nach Nähe oder Entfernung des Mozartwerkes zur Rezeption heute. Was überträgt sich vom Autoren Mozart, als „Sender“, zum einzelnen „Empfänger“ heute?  Über welche Systeme funktioniert die Übertragung? Um dieser Frage experimentell nach zugehen, wurden unterschiedliche „Medien“ - Personen und Apparate - zur Übertragung von akustischen, visuellen und emotionalen Schwingungen aktiviert.

Nach einem einführenden Vortrag wurde der auf die Akkorde der zugrundeliegenden Harmonien reduzierte Ablauf der Ouvertüre (die den tonalen Rahmen der gesamten Oper beschreibt) gespielt. Wie emotionalisierend wirkt der harmonische Ablauf in seiner Reduktion?

Fragmente der Oper wurden aus einem entfernten Raum, wo sie live gesungen wurden, in den Raum der Aufführung übertragen. Über welche Entfernung und Zerstückelung trägt die Wirkung der Stimme? Wenn sich das Theaterereignis über die Kopräsenz der Darsteller und Zuschauer definiert, wurde hier versucht, eine möglichst große Distanz zwischen sie zu bringen.

Ziel des Experiments war, die Wirkung der vereinzelten Mittel auf den einzelnen Zuhörer / Zuschauer auszutesten. Sie stellte sich höchst unterschiedlich ein und war z.T. sehr intensiv, z.T. blieb sie auch völlig aus. 

 

Team III

Die Arbeit spielt wieder mit den Möglichkeiten der Überführung der Mozart-Musik in einen inszenierten „privaten Raum“ und in improvisierte Spielsituationen. Damit schließt sie an die Arbeit des ersten Experiments an. In Hinblick auf die gesamte Inszenierung wird eine Wohnungs-Situation angedeutet, in der  Möglichkeiten einer realistischen Darstellung von Leben ausprobiert werden können. Vorausgesetzt ist ein Ablauf der Oper (in Aufzeichnungen / im Orchester) in den sich die Sänger, während sie sich in einer Wohnungssituation aufhalten, spontan einschalten können. 

 

Diskussionen

Isabelle Kranabetter referierte über den Ansatz von David Rösner, ein „musikalisches Theater“ vom Musiktheater im klassischen Sinn abzugrenzen. Rösner bezieht sich auf aktuelle Arbeiten der v.a. deutsch-sprachigen Szene, die einen flexiblen, freien Umgang auch mit dem historischen Opernmaterial versucht.

Für den Zusammenhang unseres Projektes war vor allem die Frage interessant, wie sich die Rollenverteilungen zwischen Regie, Bühne, Darstellern etc. in der einer freieren Arbeit mit den Werken der Oper überschneiden und neu definieren müssten. Eine Frage, die im Betrieb des Theaters natürlich nicht leicht gestellt werden kann, wo die Rollen klar funktionieren müssen.

Außerdem entfaltet sich eine Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Kunst. Versteht sich die Wissenschaft als eher deskriptiv und deckt Zusammenhänge in der Entwicklung der Kunst auf oder kann sie der Kunst Ansätze zu ihrer weiteren Entwicklung geben? Letztlich überschneiden sich wohl beide Ansprüche: Indem sie die Entwicklungen beschreibt und einordnet ermöglicht die Wissenschaft der Kunst, ihre eigene Geschichte und ihren Stand zu reflektieren und sich von dort aus weiter zu entwickeln.